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Entlang des Rheins

Entlang des Rheinsteigs

Wanderfreunde aufgepasst: Der Rheinsteig ist eröffnet. Beachtliche 320 Kilometer „ausgezeichnete“ Wanderwege entlang des rechten Rheinufers erwarten lauffreudige Besucher. Ab sofort ist es möglich, per pedes von Wiesbaden bis Köln zu schreiten. Ausgelegt ist der neue Wanderweg, der im Oktober seiner Bestimmung übergeben wurde, auf 20 anspruchsvolle Tagesetappen, man kann es jedoch auch ruhiger angehen. Und wer über Stock und Stein, Höhen und Täler wandert, bekommt auf diesen Pfaden Einiges zu sehen. Erstmal natürlich eine Menge Natur mit beeindruckenden Aussichten (wenn es das Wetter zulässt). Zudem führt der Rheinsteig durch eine mit zahlreichen Burgen und Schlössern gesegnete Region. Viele davon bieten in den alten Gemäuern Kulinarisches aus der Region feil. Eine Brotzeit oder gar ein zünftiges Mittagsmahl mit gediegener Aussicht lässt sich selbstverständlich an vielen Punkten des Wanderweges genießen.


Sehenswürdigkeiten und Attraktionen

Alle Sehenswürdigkeiten und Attraktionen des neuen Wanderpfades hier aufzuführen, sprengt den verfügbaren Rahmen. Erwähnt sei der Drachenfels, ein Berg mit schöner Aussicht auf den Rhein bei Königswinter, wenige Kilometer südlich von Bonn. 321 Meter ragt er in die Höhe. Der Drachenfels zählt zum Siebengebirge, welches das älteste deutsche Naturschutzgebiet ist. Wer für den Aufstieg technische Unterstützung in Kauf nehmen will, kann mit der ältesten Zahnradbahn Deutschlands ohne Anstrengung den Gipfel erklimmen. Eine besondere Attraktion für Kinder sind die Esel, die die Jüngsten auf dem Rücken hinauf gen Drachenfels tragen. Unweit davon liegt der Petersberg, einst Residenz für politische Gäste unserer Republik. Heute beherbergt das prächtige Gebäude ein Nobelhotel. Wer am Wochenende oder an Feiertagen mit dem Auto auf den Petersberg will, muss Wegezoll bezahlen. Der freundliche Wärter am Fuße des Berges nimmt gern die Gebühr von 2,50 Euro entgegen.
Ob nun die Region von Nord nach Süd oder umgekehrt angegangen wird, spielt keine Rolle. Auch sind natürlich jederzeit Richtungswechsel möglich. Und wer des Laufens müde geworden ist, der kann mit Bus und Bahn, aber auch per Schiff, den einen oder anderen Streckenabschnitt bewältigen. Da einige Sehenswürdigkeiten des Rheins ja noch Erwähnung finden, lassen wir den Rheinstieg nun einwenig außer Acht. Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass der Rheinstieg zu vielen Attraktionen der Region hinführt. Am Ende finden Sie einige Web-Adressen, mit Informationen zum neuen Wanderweg.

Entspannt am Rhein entlang

Selbstverständlich führen komfortable Wege am Ufer des Rheins Wege entlang. Wer weder Berg noch Seitental kennen lernen möchte, muss nur nah am großen Wasser bleiben. Diese Wege werden gern von radelnden Wochenendausflüglern genutzt. Kommt man doch relativ unbeschwert, weil flach und eben, voran. Ein mauscheliger Biergarten lädt auf der Insel Grafenwerth bei Bad Honnef zum Päuschen ein. Aber auch der Kurort selbst hat einige Prachtbauten und Villen, die sich sehen lassen können. In Rhöndorf, ein Stadtteil von Bad Honnef, steht das Haus von Altkanzler Adenauer samt einem Ausstellungsgebäude zu seinem Leben und Werk. Übrigens endet in Bad Honnef das Bonner Straßenbahnnetz. Man kann folglich auch bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Bonn und Bad Honnef pendeln.

Linz am Rhein

Weiter südlich liegt das lebhafte und malerische Städtchen Linz. Schmucke Fachwerkbauten und eine beachtlich frequentierte Außengastronomie prägen bei gutem Wetter das Stadtbild. Und hier beginnt auch verstärkt der Weinanbau am Rhein von Norden aus betrachtet. Ob Kelch, Rebe oder Fass, die Symbole des geistreichen Traubensaftes sind in dieser Region allgegenwärtig. So ziehen sich die Rebstöcke häufig bis zum Rand der Bundesstraße 9, die sich am rechten Rheinufer entlang zieht. Wer dieses Asphaltband unter die Räder nimmt sollte einkalkulieren, dass gelegentlich der Verkehrsfluss ins Stocken gerät. So mancher Straßenteil wird hier noch ausgebessert und die Ortsdurchfahrten können auch für stehende Kolonnen sorgen.

Den Rhein erleben im Wohnmobil

Parkplätze für Autos, Gespanne und Wohnmobile sind am Ufer bis kurz vor Neuwied zahlreich vorhanden. Dann wird die Landschaft wieder industrieller. Bis hinter Koblenz ist es dann mit den schönen Aussichten direkt am Rhein passé. In Koblenz angekommen, wird man schnell auf die Festung Ehrenbreitstein aufmerksam. Diese ragt 118 Meter in die Höhe und liegt gegen über dem Deutschen Eck. Von der Feste aus hat man den besten Blick auf die Moseleinmündung in den Rhein. Am nördlichen Moselufer ist auch gleich ein großer Campingplatz, der sehr stadtnah liegt. In der Festung selbst ist das Landesmuseum untergebracht, und eine Jugendherberge.

Karl Baedeker: berühmter Bürger von Koblenz

Einer der wohl berühmtesten Bürger Koblenz ist Karl Baedeker. Der 1801 in Essen geborene Sohn eines Druckers und Verlegers kam 1827 nach Koblenz in die Rheinstraße, übernahm den Verlag Röhling und begann Reiseliteratur nach des „Reisenden praktischen Bedürfnis“ zu verfassen. Am 4. Oktober 1859 starb Baedeker in seiner Wahlheimat. Immer noch genießen Baedeker-Reiseführer einen sehr hohen Stellenwert bei Reisenden. Schade ist allerdings, dass gerade der Titel „Rheinlande“ bzw. eine aktualisierte Ausgabe dessen über die Region, mit dessen Überarbeitung Baedeker seinen beruflichen Grundstein legte, derzeit nicht im Verlagsprogramm zu finden ist.

Vorbei an Schlössern und Burgen

Wenige Autominuten südlich mündet die Lahn in den Rhein. Der Reisende hat nun die Qual der Wahl. Weiter am großen Strom entlang oder einen Abstecher gen idyllischen Osten wagen.

In südlicher Richtung wird das Landschaftsbild wieder deutlich freundlicher. Kleine Ortschaften reihen sich am Ufer, auf den Hügeln trutzen Burgen und Schlösser, und Väterchen Rhein fängt an zu kurven. Dass das Obere Mittelrheintal etwas ganz Besonderes ist, zeigt auch die Ernennung der Region zum „Welterbe der Menschheit“. So geschehen am 27. Juni 2002. Ziel dieser Ernennung ist es, Landschaft, Kulturgüter und auch seltene Tier- und Vegetationsarten zu schützen und der Menschheit zu erhalten. Ein Managementplan der UNESCO soll hierbei hilfreich sein.

Braubach und die Marksburg

Über den Dächern des Städtches Braubach thront die Marksburg. Der schmucke Altbau ist übrigens die Einzige unzerstörte Höhenburg am Rhein. Im Inneren gibt es ein Burgmuseum mit original eingerichteter Folterkammer und eine stattliche Sammlung von Rüstungen zu bewundern. Geöffnet ist die Burg täglich außer an Weihnachten. Ins Innere der Gemäuer gelangt man allerdings nur mit einem Führer, doch diese Begleitung lohnt sich. Dabei erfährt man nicht nur Einiges über das Leben von Adel und Rittern, sondern auch über Herkunft mancher heute noch gebräuchlicher Redewendungen wie „Gardinenpredigt“ oder „die Sau durchs Dorf treiben“.

Sterrenberg und Liebenstein

Bei Bornhofen zeigen Hinweisschilder den Weg zu den Burgen Sterrenberg und Liebenstein. Beide Anlagen können bis hin zum Tor angefahren werden. Und beide beherbergen je ein Restaurant. Die Preise für Speis’ und Trank sind moderat und bei schönem Wetter kann draußen mit Blick auf das Rheintal geschlemmt werden. Ein Hinweis noch: Ausreichend Bargeld sollte man mit sich führen, denn eine Bezahlung mit Plastik (EC- bzw. Kreditkarte) ist auf Burg Sterrenberg nicht möglich.

Mit dem Wohnmobil nach Bad Ems

Der Straße hinauf nach Dahlheim führt durch einen schönen Wald, der, wie die ganze Region, zum erholsamen Spontan-Spaziergang einlädt. Die anschließend folgende Höhenstraße nach Bad Ems ist Fahrvergnügen pur. Weite Sichten, sanfte Hügel und weit gezogene Kurven machen das Dahinrollen mit dem Wohnmobil zum Erlebnis. Auch ist das Verkehrsaufkommen im Vergleich zur B 9 schlicht vernachlässigbar. Hinweisschilder zeigen weitere Sehenswürdigkeiten an. Vor rund 2000 Jahren waren die Römer schon hier. Und gleich mehrere Limestürme haben sie hier aufgestellt. Einer der ältesten Italo-Wehr-Bauten steht bei Neuborn. Ein schmales Sträßchen führt direkt auf ihn zu. Ordentlich renoviert steht der Turm zwischen Laubbäumen und nur wenige Meter weiter macht sich das Lahntal auf. Ein herrlicher Blick auf Bad Ems ist der Lohn für den Abstecher von der Deutschen Alleenstraße, die auf Bad Ems zusteuert.
Bad Ems ist ein traditionsreicher Badeort mit Thermalquellen und Kuranlagen. Prachtbauten, direkt am Lahnufer zeugen davon, dass diese Stadt goldene Zeiten erleben durfte. Ein gülden glänzende Dachkuppel ziert auffällig das Stadtbild. Ein Stopp lohnt sich, denn auch die Parkanlagen laden zur Muße ein.

Am Rhein entlang. Ein Resümee

Zeit für ein Resümee: Das Rheinland hat viel zu bieten. Und wenn auch manchmal Menschenmassen zu den Ausflugszielen pilgern, so findet man in dieser Region der Republik auch immer schnell und ohne Aufwand ruhigere Ecken. Gastfreundschaft erfährt hier jeder Reisende, und auch Kulinarisches wird meist lecker und reichlich gereicht. Den obligatorischen Rheinischen Sauerbraten (9 – 14 €) finden Sie in Ufernähe auf fast jeder Speisekarte, aber auch Leberkäs’ und Weißwürste sind keine Seltenheit. Auf Vielseitigkeit legt man hierzulande einfach Wert.

Text: Hans König
Fotos: Tourismusverbände, Hans König