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Reisetipp: Schwaben

Reisetipp: Schwaben

Koenig2 160 in Reisetipp: SchwabenEs gibt Landstriche in dieser unserer Republik, die in der Rangfolge touristischer Highlights weit unten stehen oder erst gar nicht viel Erwähnung finden. Eine solche Gegend ist sicherlich die Region zwischen den Flüssen Jagst und Kocher. Wir waren da und haben uns mal umgetan.

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Mit dem Wohnmobil durch Schwäbisch Hall

Koenig1 160 in Reisetipp: SchwabenFür Bausparer ist Schwäbisch Hall ganz sicher ein Begriff. Dass jedoch ein Fluss namens Kocher durch die 36.000 Seelen zählende Kreisstadt fließt, dürfte nur noch Menschen bekannt sein, die schon mal mit dem Landstrich bzw. der einstigen freien Reichstadt in Berührung kamen. Dabei zählt der Haller Marktplatz zu den Eindrucksvollsten seiner Art hierzulande. Ein besonderes, unübersehbares Merkmal ist die mächtige, steil aufsteigende Freitreppe zur Stadtkirche St. Michael, die jeden Sommer auch als Schaubühne für die dortigen Freilichtspiele dient. Eine weitere, besuchenswerte Lokalität für Kunstfreunde ist die Kunsthalle Adolf Würth in der „Langen Straße“. Ausgestellt werden künstlerische Werke des 20. Jahrhunderts sowie Internationale Moderne. Die Kunsthalle ist eine Dependance zur Würth Ausstellungshalle in Künzelsau, die einen internationalen Ruf genießt.

Am Ufer des Kocher

Koenig3 160 in Reisetipp: SchwabenImponierend gibt sich die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg
Wenn es das Wetter zulässt, empfehlen wir einfach durch die Gassen zu schlendern. So
manches liebenswerte Detail, wie beispielsweise eigenwillige Schilder, entdeckt man beim genauen Hinsehen. Am Ufer des Kocher lässt sich trefflich die Seele baumeln, aber das wissen Einheimische wie Gäste, daher geht es an Sonnentagen dort immer stets lebhaft zu. Ein herrliches Fleckchen zum „Leute schauen“.

Mit dem Wohnmobil in Gaildorf

Richtig lebhaft wird es alle zwei Jahre im rund 18 Kilometer südlich gelegenen Gaildorf.
Seit über 20 Jahren veranstaltet der Verein Kulturschmiede Gaildorf dort ein zweitägiges
Bluesfest, das bei Freunden der schwarzen Musik ganz oben in der Rangordnung steht. In ein paar Zelten auf der Kocherwiese wird Anfang Juli ein ganzes Wochenende lang kräftig gefeiert, und das zu Preisen, die dem Begriff zivilisiert absolut entsprechen. Musikfreunden, Reisemobilsten und Campern sei empfohlen, rechtzeitig anzureisen, denn man kann recht nah am Festivalgelände sein Womo abstellen und dort auch übers Wochenende stehen lassen. Das Gaildorfer Stadtfest findet zur selben Zeit statt. Von drohender Langeweile kann also keine Rede sein. Nur Vorsicht im Straßenverkehr: Die Polizei ist zu diesem Zeitpunkt immer besonders auf der Hut.


Ellwangen und Buch per WOMO

Koenig4 160 in Reisetipp: SchwabenBesinnlicher und prachtvoller wird es in Ellwangen auf dem Schönenberg mit der Wallfahrtskirche St. Maria. Ein Kreuzweg bestückt mit Häuschen führt hinauf zur Kirche,
die schon von weitem auszumachen ist. Natürlich kann auch bis oben mit dem Wagen gefahren werden. Erbaut wurde das Gotteshaus (1682 – 1695) von den Vorarlberger Baumeistern Christian und Michael Thumb. 1709 verursachte ein Brand schwere Schäden und erst 20 Jahre später wurde der Bau wieder geweiht. Eindrucksvoll sind die aufwändigen und kunstvollen Stuckarbeiten im Inneren der Wallfahrtskirche.

Unweit von Ellwangen, in der Gemeinde Buch, steht übrigens ein Limes-Wachturm
der Römer. Die deutsche Limesstraße zieht sich quer durch die hier beschriebene Region bis ins Rheinland. Auch in der zweiten Reisegeschichte dieser Ausgabe spielt der Römerschutzwall eine Rolle.

Wohnmobil Tipp: Ferienroute Alpen-Ostsee

Die Deutsche Ferienroute Alpen-Ostsee führt von Ellwangen über Rosenberg und Vellberg nach Schwäbisch Hall. Die gut ausgebaute Landstraße auf dem Rücken der Ellwangener Berge lädt zum Dahinrollen ein. Links und rechts gibt es immer wieder Neues zu entdecken und es ist sicherlich nicht verkehrt, spontan den Wagen stehen zu lassen und ein paar Schritte zu gehen. Und wer in der frischen Luft hungrig wird, braucht in dieser Gegend nicht lange nach einem Gasthaus mit regionalen Leckereien zu suchen. Spezialitäten sind selbstredend Spätzle und Maultaschen in jeglicher Darreichungsform, aber auch Fleisch (Zwiebelrostbraten – eine persönliche Empfehlung des Autors) und Wild lassen sich hier trefflich genießen. Zu solch landestypischer, meist deftiger Kost, sollte man die hiesigen Bierspezialitäten probieren.
Gibt es doch im Ländle noch viele kleine Brauereien, oft Familienbetriebe, die noch
nicht von den weltweit agierenden Gerstensaftkonzernen geschluckt worden sind.

Schwäbische Kochkunst

Bleiben wir nur kurz beim Thema Küche: Man sagt, es herrsche eine gewisse Verbindung zwischen der schwäbischen und der italienischen Kochkunst. Zumindest spielen Nudeln (so würde ein Schwabe nie seine Spätzle nennen) bei beiden eine ernstzunehmende Rolle. Dass die Mahlzeiten nördlich der Alpen etwas deftiger ausfallen als auf der mediterranen Seite Europas, darf bei dieser Betrachtung natürlich nicht allzu schwer wiegen. Daher auch ein unkompliziertes Zwischenfazit: Es schmeckt schließlich überall. Noch ein Tipp am Rande: Spätzle selber machen ist nicht schwierig, wenn Sie dafür gern eine Presse verwenden wollen, sollten Sie sich diese vor Ort anschaffen, denn außerhalb der Landesgrenzen werden diese Apparaturen spürbar
teurer und nicht unbedingt hochwertiger.

Vellberg entdecken im Wohnmobil

Koenig5 160 in Reisetipp: SchwabenEine echte Perle der Region ist das historische Städtle Vellberg. Klein, lieblich, überschaubar– einfach besuchenswert. Parkmöglichkeiten gibt es ausreichend außerhalb der Stadtmauer, auch für Wohnmobile. Gespannfahrer sollten schon vorher Ausschau nach einer Stellmöglichkeit halten, denn auch um Vellberg ist es ein wenig eng und Wendemöglichkeiten sind rar.

Unterwegs in Vellberg

Koenig8 160 in Reisetipp: SchwabenSehr selten ist der Amtsnachrichtenkasten
Schreitet man durch das Stadttor im Turm, glaubt man in eine andere Welt zu treten.
Fachwerkhäuser, Brunnen und farbenprächtige Blumen auf den Fensterbänken und Blumenkästen verfehlen ihre Wirkung nicht. Der blaue Mitteilungskasten mit seinen Figuren und Schnitzereien vor dem Rathaus dürfte wohl einzigartig sein. Zumindest ist uns kein schönerer Amtsnachrichtenträger bekannt. Unweit davon ragt eine steinerne Kanone in Richtung Marktplatz. Und erst, wenn man sich dem Objekt nähert, erkennt man, dass eine Hand an der Spitze mit ausgestrecktem Finger alles andere als Gewaltbereitschaft signalisiert. Verständliche, zeitgenössische Kunst ist in Vellberg in allen Ecken auszumachen. Ein Rundgang entlang der Stadtmauer dauert bei gemächlichem Tempo ca. eine halbe Stunde. Und auch im Burgraben steckt Kunst, die den Betrachter fesselt und gar anlockt, wie das Steinbildnis mit der Öffnung
in Kopfhöhe.


Das Städtle, wie es liebevoll auf der Homepage der 4.600 Einwohner zählenden Gemeinde genannt wird, sollte nicht Opfer eines touristischen Eildurchmarsches werden. Wer Zeit und etwas Muße mitbringt, kann hier sehr viele liebenswerte Details ausmachen. Und die Bewohner von Vellberg sind ihren Gästen freundlich gesonnen. Kaum hatten wir, mit Kamera und Stativ beladen, das Stadttor durchschritten, bot uns eine junge Frau ihre Hilfe an. Sie erklärte uns in ihrer sehr freundlichen Art, welche Flecken des Städtchens lohnende Fotomotive seien. Und sie hatte Recht. Wer die Möglichkeit besitzt, werktags Vellberg zu besuchen, sollte diese nutzen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass an Wochenenden und Feiertagen deutlich mehr Besucher hier auszumachen sind, dürfte sehr hoch sein.

Abstecher mit dem WOMO nach Waldenburg

Koenig7 160 in Reisetipp: SchwabenWieder in Schwäbisch Hall angekommen, sollte diese Tour eigentlich ihr Ende finden.
Schon den Heimweg auf der A 6 eingeschlagen, lotste uns die Neugier wieder von der
Schnellstraße herunter. Die Waldenburg ist von Weitem gut zu erkennen, und da dieser
letzte Reisetag noch einige Stunden Sonnenstein versprach, war die Entscheidung schnell gefallen. Abfahrt Neuenstein also wieder runter von der Autobahn und über Land zurück nach Waldenburg. Unweigerlich führt die Straße mitten durch Neuenstein. Und dort steht ein Renaissance-Schloss, dessen Ursprung auf einem Wasserschloss basiert.
Heute noch ist der eindrucksvolle Bau teilweise von einem Wassergraben umgeben.

Auf dem Weg nach Waldenburg machen sich rechter Hand Weinberge auf. Und da besonders im Herbst die bunte Pracht der Rebstöcke das Auge erfreut, stand einem Spaziergang im Farbenmeer der Blätter nichts im Wege. Idylle pur: eine mittlerweile tief stehende Sonne, weit und breit kein Verkehrslärm und ein Weinbauer, der am Rebenhang seiner Arbeit nachging. Romantiker, was willst Du mehr. Da blieb für die Waldenburg nur noch ein letzter Blick bevor die Nacht herein brach. Aber da die Gegend so viel zu bieten hat, war das sicherlich nicht der letzte Besuch.
Und dann steht auch die Waldenburg auf dem Programm. Versprochen!

Reiselust

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